Denn wenn man sagt, dass herabfallende Steine immer dem Gesetz der
Schwerkraft gehorchen, besagt das doch eigentlich nur, dass das Gesetz
beschreibt, «was Steine immer tun», oder? Man glaubt ja nicht wirklich,
dass einem Stein, wenn er losgelassen wird, plötzlich einfällt, dass er nun
verpflichtet ist, zu Boden zu fallen. Sondern man meint damit nur, dass er
nun einmal herunterfällt. Mit anderen Worten, man weiß nicht genau, ob da
irgendetwas jenseits der Fakten selbst am Wirken ist, irgendein Gesetz, das
festlegt, was passieren sollte, oder ob es eben einfach so passiert. Die
Naturgesetze, die sich auf Steine oder Bäume beziehen, bedeuten
möglicherweise nichts anderes als «das, was die Natur nun einmal tut».
Doch wenn Sie sich nun das Gesetz der menschlichen Natur anschauen,
das Gesetz des anständigen Verhaltens, ist es dort anders. Dieses Gesetz
sagt jedenfalls nicht aus, «was Menschen nun einmal tun», denn wie schon
gesagt: Viele Menschen gehorchen diesem Gesetz eben nicht, und niemand
gehorcht ihm vollkommen. Das Gesetz der Schwerkraft sagt Ihnen, was
Steine tun, wenn man sie fallen lässt. Das Gesetz der menschlichen Natur
dagegen sagt Ihnen, was Menschen tun sollten, aber nicht tun.
Mit anderen Worten, sobald wir es mit Menschen zu tun haben, kommt
über die eigentlichen Fakten hinaus noch etwas anderes ins Spiel. Wir
haben einerseits die Fakten (wie die Menschen sich verhalten) und
andererseits noch etwas anderes (wie sie sich verhalten sollten). Im ganzen
übrigen Universum braucht es außer den Fakten nichts zu geben.
Elektronen und Moleküle verhalten sich auf eine bestimmte Art, und daraus
folgen bestimmte Resultate, und das ist vielleicht schon die ganze
Geschichte. 1 Menschen dagegen verhalten sich auf eine bestimmte Art, und
das ist nicht die ganze Geschichte, denn die ganze Zeit weiß man, dass sie
sich eigentlich anders verhalten sollten.
Dies ist nun so eigenartig, dass man versucht ist, es wegzuerklären. Wenn
gesagt wird, ein Mensch verhalte sich nicht so, wie er sollte, so könnten wir
zum Beispiel behaupten, dann gelte das auch nur in demselben Sinne wie
bei einem Stein, von dem wir sagen, er habe die falsche Form. Es besagt
also nur, dass das, was er tut, einem nicht in den Kram passt. Aber das
stimmt einfach nicht. Ein Mann, der im Zug auf dem besten Platz in der
Ecke sitzt, weil er zuerst dort war, passt mir genauso wenig in den Kram
wie einer, der einfach meine Tasche aus dem Weg geräumt und sich dort
hingesetzt hat, als ich gerade in eine andere Richtung schaute. Aber dem
zweiten Mann mache ich deswegen einen Vorwurf, dem ersten nicht. Ich